Digital Independence Day

Die meisten von uns verbringen einen großen Teil ihres Tages mit digitalen Diensten. Wir schreiben Nachrichten, speichern Fotos, verschicken E-Mails, arbeiten gemeinsam an Dokumenten und organisieren unser Leben mit Apps. Oft steckt dahinter immer derselbe kleine Kreis großer Unternehmen. Einmal eingerichtet, ist der Wechsel schwierig – und irgendwann fühlt es sich an, als gäbe es gar keine Alternative.

Der Digital Independence Day (DI-Day) will genau da ansetzen. An jedem ersten Sonntag im Monat geht es darum, einen konkreten digitalen Dienst zu wechseln: weg von einer großen Plattform, hin zu einer freien, offenen, lokalen oder zumindest weniger problematischen Alternative. Der Chaos Computer Club unterstützt die Initiative und hilft gemeinsam mit anderen lokalen Gruppen bei der praktischen Umsetzung.

In Fulda haben wir den ersten DI-Day am 4. Januar 2026 gestartet. Dabei ging es zunächst darum, Menschen zusammenzubringen, Ideen zu sammeln und ganz konkret darüber zu sprechen, wo digitale Unabhängigkeit vor Ort möglich ist. Der Auftakt war gleichzeitig der Startpunkt für weitere Veranstaltungen und Hilfsangebote.

Warum wir das machen

Digitale Unabhängigkeit klingt zunächst nach einem großen politischen Thema. Tatsächlich beginnt sie aber bei ziemlich kleinen Entscheidungen: Welchen Messenger benutze ich? Wo liegt meine E-Mail? Wer betreibt meinen sozialen Netzwerk-Account? Muss meine Textverarbeitung ein Abonnement sein? Und kann ich meine Daten auch wieder mitnehmen?

Dafür braucht es keine perfekte Lösung. Niemand muss an einem Sonntag sämtliche digitalen Gewohnheiten ändern. Ein einzelner Wechsel reicht. Thunderbird statt eines proprietären Mailprogramms, Linux statt Windows, ein Mastodon-Account statt eines kommerziellen sozialen Netzwerks oder eine freie Kartenlösung statt eines zentralen Kartendienstes.

Genau deshalb setzt der DI-Day auf praktische Hilfe statt auf einen Zeigefinger. Es geht nicht darum, Menschen zu erklären, welche Software sie benutzen sollen. Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt und wie ein Wechsel tatsächlich funktioniert.

Denn Alternativen sind nur dann eine Alternative, wenn man sie benutzen kann.

Von der Idee zur Praxis

Beim Auftakt in Fulda stand deshalb nicht nur die Frage „Welche Alternativen gibt es?“ auf dem Programm, sondern vor allem: Wie können wir Menschen beim Wechsel unterstützen?

Ein Beispiel ist der Umstieg von Windows auf Linux. Mit dem bevorstehenden Support-Ende von Windows 10 und den zunehmenden Anforderungen aktueller Windows-Versionen ist das für viele Menschen eine ganz praktische Frage. Beim DI-Day können wir gemeinsam Datensicherungen machen, Linux installieren und die ersten Schritte mit dem neuen System erklären. Genau dafür wurde in Fulda im Februar eine eigene Linux-Install-Party organisiert.

Andere Wechsel sind deutlich kleiner. Ein neuer Messenger ist in wenigen Minuten eingerichtet. Ein Passwortmanager kann Schritt für Schritt eingeführt werden. Ein Mastodon-Konto lässt sich ausprobieren, ohne gleich das bisherige soziale Netzwerk aufzugeben.

Und manchmal besteht der erste Schritt einfach darin, zu wissen, dass es eine Wahl gibt.

Unabhängigkeit funktioniert lokal

Ein wichtiger Teil des DI-Day ist deshalb die lokale Ebene. Digitale Infrastruktur muss nicht zwangsläufig irgendwo bei einem globalen Konzern betrieben werden.

In Fulda gibt es dafür bereits einige Beispiele. Der CCC Fulda betreibt mit fulda.social eine eigene Mastodon-Instanz für die Region. Sie ist Teil des Fediverse und damit kein abgeschlossenes soziales Netzwerk, sondern ein kleiner Teil eines größeren Verbunds unabhängiger Server.

Auch bei Karten und Straßenbildern lässt sich digitale Infrastruktur gemeinschaftlich betreiben. Die Panoramax-Instanz für Fulda wird von Magrathea Laboratories e.V. zusammen mit der OpenStreetMap-Community betrieben. Die dort entstehenden Bilder stehen offen zur Verfügung und können von anderen weiterverwendet werden.

Das sind keine vollständigen Ersatzlösungen für alle großen Plattformen. Sie zeigen aber etwas Entscheidendes: Wir können digitale Dienste selbst betreiben.

Ein Sonntag im Monat

Der DI-Day soll deshalb kein einzelnes Event bleiben. Der erste Sonntag im Monat ist ein Anlass, sich jeweils einen kleinen Teil der eigenen digitalen Abhängigkeiten vorzunehmen.

Mal geht es um Linux, mal um Kommunikation, Karten, Cloudspeicher, Bildbearbeitung oder soziale Netzwerke. Manchmal gibt es einen Workshop, manchmal eine Installationshilfe und manchmal einfach ein gemeinsames Gespräch darüber, was eigentlich möglich wäre.

Dabei gilt: Man muss kein Hacker sein.

Die Veranstaltungen richten sich ausdrücklich auch an Menschen ohne technische Vorkenntnisse. Wer schon seit Jahren Linux benutzt, kann genauso kommen wie jemand, der zum ersten Mal davon hört. Der Sinn besteht gerade darin, Wissen weiterzugeben und gemeinsam Dinge auszuprobieren.

Mitmachen

Du musst nicht gleich dein ganzes digitales Leben umstellen.

Such dir einen Dienst aus, bei dem du schon länger über eine Alternative nachdenkst. Komm zum nächsten DI-Day, bring dein Gerät mit und frag nach. Oder komm einfach vorbei, um dir anzusehen, was andere machen.

Digitale Unabhängigkeit ist kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Sie ist eine Reihe kleiner Entscheidungen.

Informationen über die aktuellen Termine gibt es auf der Dokumentation-Seite des Projekts.